Entrosten mit Soda-Elektrolyse

  • Hab da mal was zusammengeschrieben. Recherche im Netz und danach selbst mehrfach erfolgreich eingesetzt.


    Entrosten von Teilen aus Stahl mit Soda-Elektrolyse


    Benötigte Sachen:


    1. Kunststoffeimer oder auch Kunststoffwanne/Fass, je nach Größe der zu entrostenden Teile.
    (Es gibt Leute, die haben komplette Anhänger in einer Folienwanne entrostet...)
    2. Waschsoda (Na2CO3, calzinierte Soda, Natriumcarbonat) ca.1,10Euro/500gr bei Schlecker, Rossmann etc. (Dosierung 20g/l Wasser), (Natron, Natriumhydrogenkarbonat, NaHCO3 geht angeblich auch, hab ich nicht getestet)
    3. Elektrode für Pluspol (Anode) aus Edelstahl (normaler Stahl setzt so schnell Rost an, dass das alles keinen Sinn macht)
    4. Stromquelle. Optimal ist sie einstellbar, damit man ca. 1A/10x10cm Fläche Entrostung erreichen kann.
    Es funktioniert aber auch mit einem 12V Ladegerät, dauert nur u.U.länger. Die Spannung liegt im Bereich unter 10V.
    5. Heizstab für Aquarium. Nicht unbedingt nötig, aber je wärmer der Elektrolyt, desto schneller gehts.
    Wegen der Kunststoffbehälter sollte man 40°C lieber nicht überschreiten.
    6. Kabel und Klemmen zum Kontaktieren der Elektroden und des rostigen Teils.
    7. 2 Eimer etc. zum Spülen und zum Phosphatieren
    8. Phosphorsäure gibts als Dünger oder als Reiniger
    oder in Cola, aber sinnvollerweise nimmt man die 85%ige z.B. von Purux.de)
    9. Zink zum Auflösen in der Phosphorsäure (hab ich aber selbst nicht probiert)
    10.Schutzhandschuhe und Schutzbrille.


    Ablauf:


    1. Edelstahlelektrode (Pluspol) in Gefäß einbauen. Am besten so anbringen, dass ein Aufbau wie bei einem
    Koax-Antennenkabel entsteht. Nimmt man nur einen Stab, dann ist das elektrische Feld auf der abgewandten Seite schwach
    und man muss das zu entrostende Teil drehen.
    2. Wasser mit Soda im Gefäß mischen 20g/l (10-30g/l). Wenn später geheizt wird, sollte warmes Wasser genommen werden.
    3. Pluspol an die Edelstahlelektrode, Minus an das zu entrostende Teil
    (vorher groben Dreck entfernt, entfettet und gut gespült zur Entsalzung),
    Spannungsquelle anschalten und evtl. Strom einstellen. (ca. 1A/10x10cm Fläche)
    4. Es sollten viele feine Bläschen von dem Werkstück aufsteigen, Achtung das ist Wasserstoff.
    Also Ansammlung des Gases und Zündquellen sollen besser vermieden werden. Ist aber beim Batterieladen ähnlich.


    5. Je nach Rostdicke und Stromstärke kann es auch mal einige Stunden dauern, bis die Elektrolyse beendet ist,
    es schadet nicht, alle 3-6 Stunden zu kontrollieren.
    6. Teil lieber länger behandeln, in der Sodalösung wird nur der Rost abgebaut, unoxidiertes Eisen wird nicht angegriffen.
    7. Stromquelle abschalten und Teil gründlich Spülen. Der schwarze Belag ist auch Eisenoxid, welches aber nicht mehr weiter abgebaut wird.
    Das kann man abbürsten oder siehe unten :rolleyes:


    8. Entrostetes Teil in das Phosphorbad legen (ca. 1h) und ja, das Zeug stinkt erbärmlich.
    9. Erneut gründlich Spülen und trocknen, fertig.


    Die Phosphorsäure wird in starker Verdünnung sogar als Cola getrunken, und die entrosteten
    Eisenteile erzeugen wahrscheinlich keine giftigen Verbindungen, von daher ist die Entsorgung eher unproblematisch.


    Durch die Edelstahl-Anode sollen angeblich im Elektolyten giftige Chromverbindungen entstehen, die durch die
    Gelbfärbung des Wassers auf sich aufmerksam machen. Konnte ich optisch nicht erkennen.


    Man kann die Flüssigkeiten bis zum nächsten Mal aufbewahren und sollte wenn man wirklich fertig ist, die örtliche Sondermüllentsorgung in Anspruch nehmen.


    Update nach neuen Versuchsreihen coyo
    Die warme Sodalösung hat einen tollen Entlackungseffekt, übliche Farben rutschen nach ein-zwei Tagen einfach vom Eisen runter.


    Alternative zu 8. und 9. :Wer keinen Bock auf das Abbürsten der schwarzen Reste (Eisenoxid) nach der Elektrolyse hat, kann Salzsäure zur Hilfe nehmen. Je nachdem, wie eilig man es hat, bis zu 20% HCL, aber das ist dann schon ganz schön aggro :rock:
    Der Trick bei Salzsäure ist ein Inhibitor, der verhindert, dass blankes Metall auch angegriffen wird. Da gibt es verschiedene Mittelchen, einfach erhältlich sind Hexamethylentetramin (Esbit) oder Harnstoff (Ad Blue). Ich habe 1% Harnstoff mit Erfolg getestet. Nach wenigen Minuten ist der ganze schwarze Schmodder wech und zwar porentief! Das ist besonders wichtig, wenn man verzinken will, das funktioniert nämlich mit den Oxidresten nicht richtig.


    Nächstes Problem, die Oberfläche ist nach dem Säurebad extrem reaktiv und selbst wenn man sich viel Mühe beim Spülen und Trocknen gibt, läuft das Werkstück bald komplett rostrot an. Lösungsmöglichkeiten: Tauchen in der Sodalösung des Elektrolysebades und ohne Spülen trocknen lassen oder in Phosphorsäure passivieren, siehe oben.

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  • 4. Stromquelle. Optimal ist sie einstellbar, damit man ca. 1A/10x10cm Fläche Entrostung erreichen kann.
    Es funktioniert aber auch mit einem 12V Ladegerät, dauert nur u.U.länger.


    Moin auch! Du hast vergessen zu erwähnen das dort ein Transformator vorzugsweise mit niederer Spannung eingesezt werden muss! Bei unserem Forenmitgliedern kann das sonst zu Unfällen führen! :pinch:


    So noch einmal für alle: Wasser und Strom ist böse :uwe:
    Apotheker fragen :thumbup:

  • Mal ne ganz blöde Frage, könnte man nicht auch Essig oder Zitronensäure direkt mit ins Elektrolysebad kippen um den Prozess zu beschleunigen?

  • Nein, die Säure reagiert mit der Lauge, je nach Konzentration kann das auch gefährlich werden, z.B. hitzeentwicklung, sprudeln, spritzen, etc. Ich glaube heiße Säure im Gesicht ist nicht so toll...


    Die Elektrolyse funktioniert aber im Prinzip mit allem was die Leitfähigkeit des Wassers erhöht, also auch mit Säure oder Salz.


    Du könntest also versuchen die Elektrolyse mit Zitronensäure durchzuführen, das müsste eigentlich auch funktionieren...
    Dann musst du allerdings die Teile vorher sehr gründlich entfetten, sonst kann die Säure nicht richtig wirken.
    Mit einer Lauge werden kleinere fettspuren wie z.b. Fingerabdrücke einfach aufgelöst, also muss nicht so gründlich entfettet werden.
    Mit einer starken Lauge wie z.b. Natronlauge(Natriumhydroxid = Abflussreiniger) können auch dickere Fettschichten, verharztes Öl und Farbe gelöst werden, allerdings auch Aluminium und auch deine Haut, also ist Vorsicht geboten!

  • Man sollte unbedingt die richtige Polarität beachten! Hab mir mal nen Moppedtank be- statt entrostet :whistling:

  • Seh ich jetzt erst:
    NEIN: mit Säure elektrolytisch entrosten macht man nicht.
    Frag jetzt bitte keine stöchiometrischen Formeln ab, aber Säuren reduzieren den Rost, also eisenoxid auch ohne Strom. Sie wollen also den Sauerstoff lieber für sich, als für den Rost. Toll, oder? Das doofe ist nur, spätestens, wenn der Sauerstoff aus dem Rost wech ist, frisst dir praktisch jede Säure das Metall auf. Wollen wir das? Nein.
    Die Lauge selbst kann den Sauerstoff nicht aus dem oxid abziehen, sie ist nur Hilfsmittel, damit dein netzteil ( kleiner 60v dc! ) mit dem Strom das macht. In der alkalischen Lauge wird das blanke Metall (Fe) nicht angegriffen. So funktioniert auch Stahlbeton, Beton ist alkalisch und schützt die bewehrung, erst wenn die Eisen Luft bekommen, rosten sie und der Beton wird noch weiter abgesprengt.

    Einmal editiert, zuletzt von miguel ()

  • die Säuren, die ich oben aufgelistet habe nehmen das gelöste eisenoxid auf, was nach der elektrolyse noch mehr oder weniger fest auf dem Werkstück haftet. Könnte man auch abbürsten oder strahlen. Nervt halt beim weiteren beschichten. Säuren machen das ganz easy in 5 Minuten. Dann noch kurz abspülen und noch mal in die Lauge dippen als Schutz gegen Säurereste.

  • Bis zu welcher Größe hat das hier schon jemand gemacht?


    Ich hab zwei neue Türen die aber komplett Rost an der Oberfläche haben und nen Schiebedachdeckel. Beim Deckel seh ich noch nicht so das Problem mit der Größe des Bades, eher beim Strom...bei den Türen wird beides wohl unrealistisch im Hobbybereich.


    Wenn der Strom kleiner ist als "berechnet" dauerts einfach nur länger?

  • Genau so ist es, je weniger Strom pro Fläche, desto langsamer. Hab irgendwo mal amis gesehen, die sich aus Folie einen Behälter um ihren rostigen Anhänger gebaut haben. Dann ordentlich Soda rein und den schweisstrafo angestöpselt.

    Geht auch bestimmt mit einem ibc oder einem Aldi Pool.
    Ich hab gerade einen ibc mit teilen zum entrosten drin, aber der hat keine sodafüllung.

  • Tomford

    Denk dran, die Anode sollte normalerweise größer sein, als das zu entrostende Teil und am besten überall ungefähr den gleichen Abstand haben, damit der Strom gleichmäßig verteilt ist,

    Also brauchst du zusätzlich noch 2 große Bleche, die nach der Elektrolyse zu nix anderem mehr zu gebrauchen sind, weil die von der Elektrolyse stark angefressen werden.


    Du könntest evtl auch mal bei ner Abbeiz Bude fragen was die dafür nehmen.

    Scheinbar wird nicht nur der Lack entfernt, sondern auch Rost...

    aber der hat keine sodafüllung.

    Was ist da denn drin?

  • wenn es nur rost vom lagern ist, würde ich sie mit zitronensäure entrosten.

    letztlich würde hier mal von rost delete gesprochen. das zeug ist auch ganz gut.

    eincremen und in folie einwickeln

  • zink und meerwasser, gutes altes seemannsrezept. :uglybeer:

    Das ist auch Elektrolyse, Zink und Eisen bilden eine Batterie (0,35V), das Meerwasser ist das Elektrolyt...



    Aber es kommt jetzt bitte niemand auf die Idee einfach Salz anstelle von Soda oder Ätznatron zu benutzen.

    Bei Elektrolyse mit Salzwasser entsteht Chlorgas, und das ist extrem ungesund, wie ja seit dem ersten Weltkrieg bekannt ist...

  • Das ist auch Elektrolyse, Zink und Eisen bilden eine Batterie (0,35V), das Meerwasser ist das Elektrolyt...

    so isses. tatsaechlich wurde/wird dieses zum konservieren von ballasttanks genutzt. nachteil- darfst die tanks nie sehr lange leer fahren, sonst gehts nach hinten los. deshalb wird meisst lieber mit farbe konserviert.

  • Die Nummer mit den ballasttanks ist etwas anders, da bildet sich ein galvanisches Element weil Zink unedler als Eisen ist und das Meerwasser als elektrolyt funktioniert, aber bei der sodaelekrolyse muss man von außen Energie einbringen weil beide Elektroden ja gleich sind.
    im großen Stil sollte man das übrigen lieber draußen machen, da kann der entstehende Wasserstoff einfach Ablüften.
    in meinem ibc ist gerade vinasse. Aber mit ohne Strom.